Über den Film
Polen 1904: Yentl liebt ihren Vater und sie liebt es, gemeinsam mit ihm Talmud zu lernen. Doch als ihr Vater plötzlich stirbt, wird sie dazu gedrängt, sich den gesellschaftlichen Konventionen zu beugen - Yentl soll heiraten, eine Familie gründen und sich nicht mehr den Kopf über die intellektuell herausfordernden talmudischen Diskussionen zerbrechen. Statt sich dem Druck zu beugen, bricht Yentl aus ihrem Schtetl auf, um an einer Yeshiva Talmud mit Gleichgesinnten zu studieren. Da sie als Frau keine Chance hätte, an der Yeshiva aufgenommen zu werden, wird Yentl zu Anshel, einem jungen Mann. Als Anshel baut sie schnell eine intensive, intellektuell inspirierende, emotional enge und auch romantische Beziehung zu ihrem Studienpartner Avigdor auf. Avigdor wiederum ist mit Hadass verlobt. Der Dreieckskonstellation entspringen Sehnsucht, Begehren, Irritationen, Lügen, Identitätskrisen, Verbundenheit und viele, viele Fragen.
Barbra Streisand adaptiere in diesem romantischen wie dramatischen Musical Yentl, the Yeshiva Boy (1962), eine Kurzgeschichte des für die jiddischsprachige Literatur zentralen Autors Isaac Bashevis Singer. Trotz großer Hürden, die die geplante Produktion immer wieder in Frage stellten und um rund 20 Jahre nach hinten verschoben, wollte Barbra Streisand unbedingt die Geschichte, die sie so berührt hatte, verfilmen. Sie führte die Regie, produzierte den Film selbst, schrieb das Drehbuch und spielte die Hauptrolle. Heute gilt Yentl als Klassiker und hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. einen Oscar in der Kategorie Beste Filmmusik.
Welche Rolle spielt (jüdischer) Feminismus in diesem Film? Wie werden Gender, Heteronormativität und Queerness verhandelt? Wie werden - in diesem Kontext und darüber hinaus - jiddische und jüdische Kultur, Tradition und Religion dargestellt? Wie kommt es, dass Yentl als Klassiker des jüdischen Kinos gilt? Zu diesen und weiteren Fragen wird es im Anschluss an den Film ein Filmgespräch mit dem hakOLnoa-Team geben.
Lexikon des internationalen Films„Von humaner Weltsicht und hohem ästhetischem Reiz, rekonstruiert das intime Musical und die melancholische Komödie die untergegangene Welt des Ostjudentums der Jahrhundertwende.“
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