Der nackte Mann auf dem Sportplatz

Regie: Konrad Wolf |
DDR | 1974 | 97 Min.
Der nackte Mann auf dem Sportplatz

Über den Film

Kemmel (Kurt Böwe) ist Bildhauer, ein Künstler, der es sich und anderen nicht leicht macht. Auf die Vierzig zugehend, fragt er sich, was er bisher Bedeutendes geschaffen hat. Bitter ist, wenn Arbeiten, von denen er überzeugt ist, von den Menschen nicht aufgenommen werden.

So landet ein Relief, das er für eine LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) anfertigte, im Feuerwehrturm. "Fachleute vom Bezirk" meinen, der Arbeit fehle der "Schwung oder der Optimismus". Bitter ist auch, wenn eine Arbeit misslingt, so die Porträtplastik von Hannes (Martin Trettau), einem Arbeiter, dem Kemmel lange nachlief, damit er ihm Modell sitze.

Dennoch waren die stundenlangen Sitzungen für beide ein Gewinn, jeder dringt ein wenig in die Welt des anderen ein. Dann bekommt Bildhauer Kemmel von seinem thüringischen Heimatdorf den Auftrag, eine Skulptur für den Sportplatz zu schaffen. Am liebsten würden die Gemeindevertreter ein Denkmal haben, das die Züge ihres gerade verstorbenen ruhmvollen Vereinstorwarts tragen soll. Groß ist deshalb die Enttäuschung, als ihnen der Künstler aus Berlin schließlich statt der steinernen Wiedergeburt des verblichenen Idols seine Symbolfigur präsentiert, einen Läufer, dazu noch splitterfasernackt.

Der Bürgermeister (Werner Stötzer) äußert sittliche Bedenken, schließlich wird der Ort auch von zahlreichen jungen Mädchen aufgesucht. Doch auch Kemmel ist betroffen. Er hatte keine Ahnung, dass Nacktheit ein Problem sein könnte. Ein berühmter Bildhauerkollege versucht zu vermitteln, Kunst brauche kein Feigenblatt, sein Argument.

Ende gut, alles gut?! Jedenfalls erhält Kemmel zu seinem 40. Geburtstag einen Gruß aus der Heimatgemeinde. Das Foto zeigt zwei Dorfschöne vor der neuen Sportplatzzierde. Ihr lachender Blick ist auf das von keinem Feigenblatt verhüllte wichtigste Attribut der Männlichkeit gerichtet ...

Um den komplizierten Prozess der Annäherung zwischen denjenigen, die Kunst machen und denjenigen, für die sie gemacht wird, geht es. Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase und Regisseur Konrad Wolf erzählen ihre Geschichte vom "nackten Mann auf dem Sportplatz" heiter-gelassen und stets mit einem komödiantischen Unterton. Mit Kurt Böwe, Martin Trettau, Ursula Karusseit und vielen anderen bekannten Darstellern jener Zeit fand Konrad Wolf eine hervorragende Besetzung.

Deutsch

Konrad Wolf

Kurt Böwe, Ursula Karusseit, Martin Trettau, Elsa Grube-Deister

FSK 6

Dieses wenig bekannte Juwel aus Konrad Wolfs Œuvre, ein scheinbar bescheidenes und subtil humorvolles Porträt eines Bildhauers, der in den frühen 1970er Jahren in der DDR seinem Alltag nachgeht, entpuppt sich nach und nach als vielschichtige Reflexion über die gesellschaftliche Funktion und Rezeption von Kunst.

Goethe Institut London

Leise, episodische Filmsatire des 1982 verstorbenen DEFA-Regisseurs Konrad Wolf, der charakteristische Details des DDR-Alltags aufs Korn nimmt und die widerspruchsvolle Situation des Künstlers in seiner Gesellschaft beschreibt. Inhaltlich und gestalterisch differenziert und anspruchsvoll, einer der besten DEFA-Filme überhaupt.

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Laufzeit: seit dem 21. Februar 2026

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