Bruderland ist abgebrannt
Über den Film
1989 lebten über 90.000 Vertragsarbeiter*innen aus anderen sozialistischen Staaten in der DDR. Rund zwei Drittel davon kamen aus Vietnam. Die Verträge, die die Arbeits- und Lebensgrundlagen dieser Menschen definierten, verloren mit dem Mauerfall ihre Gültigkeit. Mit dem Ende der DDR wurden aus Kolleg*innen schlagartig Konkurrent*innen um Arbeitsplätze. Die ehemaligen Vertragsarbeiter*innen verloren ihre Stellen, die Wohnheime kündigten ihre Zimmer, rassistische Gewalttaten nahmen zu. Von Solidarität und Brüderlichkeit, schon zu DDR-Zeiten meist leere Worthülsen, blieb in der Realität wenig.
Im Anschluss findet ein Filmgespräch mit Angelika Nguyen und Dr. Patrice G. Poutrus statt.
Angelika Nguyen, geboren 1961 in der DDR als Kind deutschvietnamesischer Eltern. Sie studierte Filmwissenschaft und ist als Autorin, Kuratorin und Filmjournalistin tätig. 2011 erschien ihr Essay „Mutter, wie weit ist Vietnam?“ über den Rassismus in ihrer Kindheit. SIe sagt: "Die Tatsache des Rechtsextremismus und tiefsitzenden Alltagsrassismus allein dem Osten zuzuschieben, dient nur dazu, den Westen zu entlasten."
Dr. Patrice G. Poutrus ist Zeithistoriker und Migrationsforscher. 2011 promovierte er an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Er forscht und lehrt zur Zeit an der Universität Erfurt und ist Autor zahlreicher Publikationen zur DDR-Geschichte und zur Migrationsgeschichte. 2019 hat er das Buch Umkämpftes Asyl. Vom Nachkriegsdeutschland bis in die Gegenwart veröffentlicht. Aktuell ist er am Forschungsprojekt Diktaturerfahrung und Transformation – Partizipative Erinnerungsforschung beteiligt.
Die Tatsache des Rechtsextremismus und tiefsitzenden Alltagsrassismus allein dem Osten zuzuschieben, dient nur dazu, den Westen zu entlasten.
Regisseurin Angelika Nguyen
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Laufzeit: seit dem 07. November 2023
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