Angels of Sinjar
Über den Film
Am 3. August jährt sich der Genozid an den Jesid*innen zum zwölften Mal. Gemeinsam mit zwei Ratsuchenden von Pena-Ger e.V., Hanifa Abbas Khalaf Maao und Fawziya Saydo, möchten wir einen Abend des Erinnerns, Zuhörens und der Begegnung gestalten. Wir wollen Raum schaffen für persönliche Geschichten, für das Gedenken und für die Stimmen der Überlebenden. Zugleich soll der Abend ein Zeichen der Solidarität, des Zusammenhalts und der Sichtbarkeit sein.
Zum Film
Im Jahr 2014 wurde die mehrheitlich von Jesid*innen bewohnte irakische Stadt Sinjar von der IS-Terrormiliz eingenommen, die einen Genozid an den Jesid*innen verübten: Menschen wurden ermordet, verschleppt und versklavt. Nach der Befreiung der Stadt begleitet der Dokumentarfilm die Jesidin Hanifa bei ihrer gefährlichen Suche nach ihren entführten fünf Schwestern. Der Dokumentarfilm nimmt hautnah am unermüdlichen Kampf der jungen Frau teil.
Gesprächspartner*innen
Hanifa Abbas Khala Maao (Referentin)
Hanifa Abbas Khalaf Maao überlebte nur knapp die Gewalt, die der sogenannte Islamische Staat ihrem Volk zufügte. Während sie selbst der Verschleppung entkam, wurden ihre jüngeren Schwestern vom IS entführt und versklavt. Seitdem kämpft sie dafür, ihre Schwestern zu finden und sie zurück nach Hause zu bringen. Im Laufe der Jahre gelang es ihr zudem, einige ihrer Geschwister aus der Gefangenschaft zu befreien. Diese Geschichte wird auch im Dokumentarfilm Angels of Sinjar thematisiert. Heute ist sie bei Pena-Ger nicht nur Klientin, sondern auch eine enge Wegbegleiterin und engagierte Kollegin. Mit großem Einsatz macht sie auf das Leid und die Stimmen unterdrückter Frauen aufmerksam, besonders auf das der jesidischen Frauen.
Fawziya Ameen Saydo (Referentin)
Am 3. August 2014 überfiel der sogenannte Islamische Staat (IS) die Region Sinjar (Şingal) im Irak, tötete zahlreiche Jesid*innen und verschleppte tausende Frauen und Mädchen. Unter ihnen war auch Fawziya Ameen Saydo, damals erst neun Jahre alt. Sie wurde nach Syrien, in die Türkei und später nach Ägypten verschleppt. Nach über zehn Jahren wurde sie schließlich im Gazastreifen aufgefunden. Dort gelang ihr die Flucht. Seit Februar 2025 lebt sie in Deutschland. Hier ist Fawziya Ameen Saydo nicht nur Ratsuchende, sondern auch Freundin und Kollegin bei Pena-Ger. Sie setzt sich aktiv dafür ein, die Stimmen unterdrückter Frauen, insbesondere jesidischer Frauen, hörbar zu machen.
Duleem Ameen Haji (Moderation)
Wir freuen uns sehr, dass Duleem Ameen Haji unseren Abend begleiten wird. Als Geflüchteter und Angehöriger der jesidischen Gemeinschaft bringt er eine persönliche Perspektive mit, die diesem Austausch besondere Tiefe und Bedeutung verleiht. Mit großer Sensibilität und Menschlichkeit wird er durch den Abend führen und das anschließende Gespräch mit den Zeitzeuginnen moderieren. Als angehender Mediziner und selbst Betroffener verbindet er fachliche Erfahrung mit persönlicher Geschichte und schafft damit einen Raum für Erinnerung, Zuhören und Begegnung.
Das moderierte Gespräch mit den Referent*innen findet auf Arabisch und Kurmancî (Şengalî) statt und wird ins Deutsche übersetzt.
Eine Einführung und Kontextualisierung für die Veranstaltung erfolgt durch die Beybûn Seker, Erstvorsitzende des Vereins Pena-Ger e.V. Die Geschichte und Gegenwart des Genozids umfassen aber auch Fragen nach den politisch-moralischen Verpflichtungen in Deutschland.
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