Afrika auf der Leinwand

Die Filmreihe »Afrika auf der Leinwand« läuft von September bis Dezember 2006 und präsentiert die Vielfalt afrikanischen Filmemachens. Alle Veranstaltungen laufen die Woche über vormittags als Schulvorstellung und an einem Abend in der Woche als öffentliche Vorstelllung.


Montag, 25. bis Freitag, 29. September 2006 vormittags für Schulklassen

Kukurantumi – Road to Accra

Ghana 1983, 90 min, englisches Original mit deutschen Untertiteln
Regie: King Ampaw

Kukurantumi – Road to Accra

Kukurantumi ist ein Dorf in Ghana. Addey, ein Lorry-Fahrer, lebt dort mit seiner Familie. Jeden Tag pendelt er mit dem Lorry, einem schrottreifen Lkw mit Holzbänken für die Passagiere auf der Ladefläche, zwischen Kukurantumi und der 100 Kilometer entfernten Hauptstadt Accra.

Eines Tages ereignet sich ein Unfall. Addey hat zwar keine Schuld – die Bremsen versagten –, aber er verliert trotzdem seinen Job. Er versucht sein Glück in Accra. Seine Frau Sewa und Abena, seine Tochter, will er später nachholen. Mit geliehenem Geld repariert sich Addey einen alten Lorry. Als »reicher Mann« kehrt er nach Kukurantumi zurück und will seine Tochter mit seinem Gläubiger verheiraten. Aber Abena liebt Bob und flieht mit ihm. Allein kehrt Addey nach Accra zurück. Immer tiefer verwickelt er sich in die Widersprüche zwischen traditioneller Lebensform und hauptstädtischer Geschäftemacherei.


Montag, 9. bis Freitag, 13. Oktober 2006 vormittags für Schulklassen

Dôlè – Das Lottospiel

Gabun 2000, 92 min, Original (Französisch, lokale Sprachen) mit Untertiteln
Regie: Imunga Ivanga

Dôlè – Das Lottospiel

Mougler und seine Freunde sind Straßenjungs in Libreville. Ihre Delikte sind ziemlich naiv, manchmal sogar lustig. Mougler braucht Geld, um Medikamente für seine kranke Mutter zu kaufen. Er plant mit seinen Kumpeln, den Kiosk des neuen Lottospiels »Dôlè« auszurauben, das die ganze Stadt wie im Fieber erfaßt. Aber der Kiosk wird von einem bewaffneten Mann bewacht, der in die liebenswürdige Ladeninhaberin verliebt ist.

»Dôlè« ist ein vor Leben und Lebensrhythmen und Musik strotzendes Debut. Er wurde als erster Film seit 1978 im Gabun gedreht, mit Laienschauspielern, die im wesentlichen ihre eigenen Rollen spielen. Es sind junge Schüler aus Libreville, die Mougler und seine Bande darstellen und dabei eigene Lebenserfahrungen verarbeiten. Regisseur Imunga Ivanga beschreibt die städtische Jugend in ihrem Alltag. Man kann sie in allen Städten Afrikas antreffen, findet sie aber auch an vielen anderen Orten rund um den Globus. Ihre Begeisterung für die Rap-Musik erinnert daran, dass diese Musik auch die schwarz-afrikanischen Städte erobert hat, wo sie zu einem Ausdruck des Protests der Jugend geworden ist. Sehr schön lässt uns Imunga Ivanga gerade dies spüren.


Montag, 9. bis Freitag, 13. Oktober 2006 vormittags für Schulklassen

Sankofa

Jamaica/Ghana/Äthiopien/USA/Deutschland 1993, 125 min, OmU
Regie: Haile Gerima

Sankofa

Mona ist ein junges Model, das seine schwarze Hautfarbe zu vermarkten weiß. An der ghanesischen Küste posiert die schwarze Schönheit mit der blonden Perücke am Strand genau vor jener Festung, wo bis ins 19. Jahrhundert hinein Tausende von afrikanischen Sklaven gefoltert, vergewaltigt und verschleppt wurden. Sankofa, ein afrikanischer Trommler singt dort die ewige Totenklage, und Mona gerät in seinen Bann. Als Mona zögerlich die Kellerverliese der alten Festung betritt, werden die Geister, die Sankofa beschworen hat, wieder zum Leben erweckt. Mona gerät in den Strudel der Geschichte ihrer Mütter und Väter und wird als Shola auf einer Zuckerrohrplantage in Jamaika wieder lebendig.

Sankofa ist eines der wenigen Werke, die sich mit der historischen Versklavung und Verschleppung vieler Millionen von Afrikanern in die Länder Nord-, Mittel- und Südamerikas aus rein afrikanischer Perspektive auseinander setzen. Er wurde bei der afroamerikanischen Bevölkerung der USA zum Kultfilm, obwohl ihn kein einziger US-Verleih übernehmen wollte.


Djibril Diop Mambéty – Zwei Filme seiner unvollendeten »Trilogie der kleinen Leute«

Montag, 6. bis Freitag, 10. November 2006 vormittags für Schulklassen

Das Los

Senegal/Schweiz 1994, 45 min, Originalfassung (Wolof) mit deutschen Untertiteln
Regie: Djibril Diop Mambéty

Marigo träumt von seinem Instrument, der »Congoma«, die die boshafte Vermieterin aufgrund ausgebliebener Mietzahlungen konfisziert hat. Um es zurückzubekommen, kauft sich Marigo ein Los der Staatslotterie. Ein kostbares Dokument, das er sorgfältig an seine Türe klebt, damit es niemand entdeckt. Und wie es das Schicksal will, gewinnt seine Nummer. Zu seinem Ärger jedoch hat Marigo das Los allzu gründlich an der Tür festgeklebt, und er muss sie letztlich aus den Angeln reißen und sie auf dem Kopf zum Schalter der Staatslotterie tragen. Allerdings stellt sich am Schalter ein letztes Hindernis heraus: zwar hat er das Große Los gezogen, doch die für die Auszahlung unerlässliche Kontrollnummer befindet sich auf der Rückseite des angeklebten Lottoscheins. Das Los muss also um jeden Preis herunter, aber so, dass die Kontrollnummer keinen Schaden nimmt. Da Marigo eine geniale Idee. Am Ozean, auf einem Stein sitzend lässt er seine kostbare Tür von den Wellen liebkosen.

Vor dem Hintergrund der massiven Abwertung des an die französische Währung gekoppelten CFA erhält die Radiowerbung, die den Kauf von Lotterielosen als einzig sinnvolle Geldanlage anpreist, eine unfreiwillig seriöse Note. Und so hintergründig erzählt Djibril Diop Mambéty durchgängig seine teils komische, teils auch groteske Geschichte. Es ist aber auch eine ernste Geschichte aus dem Alltag der kleinen Leute, wie sie in Dakar, aber auch in jeder anderen afrikanischen Stadt spielen könnte.

Die kleine Verkäuferin der Sonne

Senegal/Schweiz 1999, 45 min, Originalfassung (Wolof) mit deutschen Untertiteln
Regie: Djibril Diop Mambéty

Seit sehr langer Zeit ist der Handverkauf von Zeitungen in den Straßen von Dakar den Jungen der Stadt vorbehalten. Seit heute morgen jedoch wird dieses Vorrecht in Frage gestellt. – Was ist passiert?
Sili – so haben wir das kleine Mädchen genannt – ist zwischen zehn und dreizehn Jahren alt. Sie lebt auf den Straßen und bewegt sich mit Hilfe von zwei Krücken vorwärts. Sie hält sich neben den Jungen auf, die die Zeitungen verkaufen, und bettelt. Doch an diesem Morgen wurde sie so heftig von den Jungen angerempelt, daß sie auf dem Asphalt hinfiel. Dabei öffnete sich ihr Kleid, so daß man ihren fragilen Körper sehen konnte. Ihre Krücken fand sie meterweit entfernt wieder. Um sich aufzurichten, mußte sie alle ihre Kräfte zusammennehmen. Sie war sehr verärgert. Daraufhin nahm sie sich fest vor, ab dem nächsten Tag wie alle anderen auch Zeitungen zu verkaufen. Was für Männer gilt, gilt auch für Frauen.

Mit diesen Worten beschreibt der berühmte senegalesische Regisseur Djibril Diop Mambéty, die Ausgangssituation seines Filmes. Sili lernt die erbarmungslose Welt der kleinen Zeitungsverkäufer kennen und durchlebt schmerzhafte Augenblicke. Aber sie gewinnt auch einen Freund und lernt sich durchzusetzen.

Der Film, der zwischen realistischer Alltagsbeschreibung und märchenhaften Episoden oszilliert ist eine Liebeserklärung des inzwischen verstorbenen Filmemachers an den Mut der Straßenkinder, eine Hymne auf die Freundschaft.

Djibril Diop Mambéty über seinen Film: »'Die kleine Verkäuferin' ist der zweite Teil einer Trilogie, mit der ich dem Mut der Straßenkinder die nötige Anerkennung zollen möchte. Die Liebe der Kinder ermutigt mich, den Alten und Korrupten und jenen zu trotzen, deren Reichtum ihre eigene Seele nicht berührt … Kinder sind wunderbare Wesen. Nach diesem Film könnte ich keine Kindergeschichte mehr erzählen. Der Film hat alles von mir.«


Montag, 5. bis Freitag, 9. Dezember 2006 vormittags für Schulklassen

Tsotsi

Südafrika/Frankreich 2005, 94 min, deutsche Fassung
Regie: Gavin Hood

Tsotsi

In einem Ghetto am Rand von Johannesburg lebt der 19-jährige Tsotsi (Presley Chweneyagae) in den Tag hinein. Der Anführer einer kleinen Gangsterbande ist der coole und für seine Brutalität gefürchtete Held des Viertels. Eines Abends sieht er sich drastisch mit den Folgen seiner Gewalttätigkeit konfrontiert: In einem noblen Vorort schießt er auf eine Frau, stiehlt deren Auto und flüchtet mit Höchstgeschwindigkeit, als er plötzlich auf dem Rücksitz ein Baby bemerkt. Vor Schreck baut er einen Unfall und muss seine Flucht zu Fuß fortsetzen. Er könnte das schreiende Kind allein in dem Wrack zurück lassen, doch etwas in ihm sperrt sich dagegen. Also steckt er es in eine Papiertüte und nimmt es mit in seine Welt …

Eine atemraubende Story, voller Adrenalin erzählt zu den stampfenden Sounds des Kwaito, der Musik der Ghettokids von Johannesburg. Am Ende stehen ein flammendes Plädoyer für Liebe und Friedfertigkeit und der Sieg über Hass und die rasende Wut.


Montag, 5. bis Freitag, 9. Dezember 2006 vormittags für Schulklassen

Drum

Südafrika/USA/Deutschland 2004, 95 min, Original (Englisch) mit deutschen Untertiteln
Regie: Zola Maseko

Drum

»Drum« erzählt die wahre Geschichte des Südafrikaners Henry Nxumalo. Der engagierte Journalist arbeitet in den 50er Jahren als Sportreporter für »Drum«, dem damals wichtigsten Lifestyle-Magazin Afrikas. Doch die Ungerechtigkeiten des Apartheidregimes treiben ihn immer häufiger dazu, auch politische Themen aufzugreifen. Unter Lebensgefahr recherchiert er zusammen mit dem deutschen Fotografen Jürgen Schadeberg über die Zustände in den Gefängnissen oder das Unterdrückungsregime auf der Farm eines Buren. Dank Nxumalos Artikel ist »Drum« bald das führende Sprachrohr der Regimekritiker. Als die beiden Journalisten beginnen, eine politische Verschwörung aufzudecken, hat das Apartheid-Regime endgültig genug von den unbequemen Zeitungsmachern …

Vor dem Hintergrund des Südafrikas der 50er Jahre erzählt Regisseur Zola Maseko die Geschichte des Journalisten Henry Nxumalo, der sich gegen das Unrecht der Apartheid wehrte. Doch erst spät erkannte er die Verantwortung, die er als Familienvater, schwarzer Südafrikaner und Journalist gegenüber den Menschen hatte, die wie er ein Leben in Ausbeutung, Unterdrückung und Demütigung ertragen mussten. Als »Mr. Drum« wurde Nxumalo zum Enthüllungsjournalisten in einer Zeit, in der sich die Staatsgewalt nicht rechtfertigen musste, und an einem Ort, an dem das Leben eines Schwarzen für viele als wertlos galt. Auf seinen Recherchen begleitete ihn der heute weltbekannte Fotograf Jürgen Schadeberg, der das größte Fotoarchiv über die Apartheidszeit besitzt.

»Drum« ist der faszinierende Blick auf das Südafrika der 1950er Jahre und die lebendige Kultur der illegalen Bars und der Jazz-Musik in Sophiatown. Als dieser Ort der Freiheit vom Apartheidsregime brutal zerstört wurde, gab dies der Bewegung gegen das Unrechtsregime einen wichtigen Impuls.


Montag, 5. bis Freitag, 9. Dezember 2006 vormittags für Schulklassen

Zulu Love Letter

Südafrika/Frankreich 2004, 100 min, OmU
Regie: Ramadan Suleman

Zulu Love Letter

Der Film erzählt die Geschichte der Journalistin Thandi, die in die finsteren Jahre der Apartheid zurückreicht. Während der größte Teil der südafrikanischen Bevölkerung die Zeit der Rassentrennung scheinbar möglichst schnell vergessen will, ist dies für die Journalistin unmöglich. Sie war mit ihrem Kollegen verhaftet worden, als sie damals Zeugen der Ermordung einer jungen Freiheitskämpferin wurden. Nachdem sie in der Haft gefoltert wurde, brachte sie eine behinderte Tochter zur Welt, Mangi.

Die nun dreizehnjährige Mangi besucht eine Gehörlosenschule und lebt sonst meist bei ihren Großeltern. Obwohl sie nichts dazu kann, plagen Thandi Schuldgefühle wegen der Behinderung ihrer Tochter. Auch diese leidet unter der unbewältigten Vergangenheit. Vor allem ihrer Großmutter gelingt es, sie aufzuheitern – sie bringt ihr auch die traditionelle Zulu-Kunst der Perlenstickerei bei. Mangi hofft auf die heilenden Kräfte ihres angefertigten »Zulu Love Letter« …

Die Zulus drücken mit diesen »Love Letters« persönliche Gefühle, Wünsche und Lebensumstände in einer kreativen Form aus, die auch in der modernen Welt Südafrikas eine tiefe Bedeutung hat.


Montag, 5. bis Freitag, 9. Dezember 2006 vormittags für Schulklassen

U-Carmen

Südafrika 2004, 120 min, OmU
Regie: Mark Domford-May

U-Carmen

Die temperamentvolle Carmen arbeitet in einer Zigarettenfabrik in Khayelitsha, einem Township in Südafrika. In ihrer Freizeit singt sie mit Freundinnen in einem Chor. Als Polizisten in der Siedlung patrouillieren, wirft sie dem Brigadier Jongikhaya eine Rose zu. Nach einer Schlägerei mit einer anderen Fabrikarbeiterin wird Carmen von Jongikhaya verhaftet. Sie setzt ihren ganzen Charme ein, damit Jongikhaya sie freilässt. Carmen flieht und trifft den nach langer Abwesenheit zurück gekehrten berühmten Opernsänger Lulamile Nkomo. Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf und endet in einem Drama aus Eifersucht und Gewalt.

Mit »U-Carmen« ist eine außergewöhnliche filmische Umsetzung einer der populärsten Opern der Welt – Bizets Oper »Carmen« – gelungen. Gesprochen und gesungen in Xhosa spielt der Film im dem heutigen südafrikanischen Township Khayelitsha.

In dem Überraschungssieger der Berlinale dreht sich alles um Liebe, Hass, Eifersucht, Rache, erotische Obsessionen und Wahnsinn ... Mit einem hervorragenden Sänger- und Darstellerensemble vermittelt Regisseur Mark Dornford-May eine eindringliche Brisanz und Aktualität der Oper.